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Maritimer Blog

Der Bootsmann

Seemannsgarn

Spricht man von Seemannsgarn, so meint man meist fantastische Geschichten und Legenden der Seefahrt mit nur beiläufigem Wahrheitscharakter, vergleichbar mit Sagen und Mythen.

Das Erzählen von Seemannsgarn ist eine unter Seeleuten weit verbreitete alte Tradition. In früheren Zeiten der Seefahrt mussten fortlaufend unterschiedliche einfache Wartungstätigkeiten an Deck, meist bei schönem Wetter, vorgenommen werden. Dazu gehörten unter anderem das Ausbessern und Reparieren alten Tauwerks. Manche Trosse waren derart stark unter Mitleidenschaft gezogen worden, dass eine Reparatur nicht mehr lohnend erschien – man machte sich ans Recyclieren. (Ein erfahrener Seemann, seines Zeichens Chief Electrician auf einem modernen Kreuzfahrtschiff, hatte mich mahnend den Satz gelehrt: „Seamen don´t make garbage!“).

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Frühes Recycling auf hoher See


So wurde eben diese vorrübergehend unbrauchbar gewordenen Tauwerke und alte Trosse bzw. Leinen (in der Seefahrt spricht man niemals von Seil!) in ihre einzelnen Stränge zerlegt, sortiert, und zu neuem „Garn“ versponnen. Aus diesen Garnen, meist 4 - 6 davon, zwirnte man das sogenannte „Schiemannsgarn“. Zum erhöhten Schutz des Materials wurde es oft zusätzlich geteert, um dann seinerseits als Schutz anderen Tauwerks, vorrangig stehenden Guts, also nicht bewegliche Taue eingesetzt, indem man diverse Stellen, die einer erhöhten mechanischen Beanspruchung unterlagen, damit streng umwickelte.

Da diese Tätigkeit des Schiemannsgarn spinnen im Vergleich zu anderen nicht sonderlich anstrengend war, saßen die Seeleute in geselliger Runde, und erzählten sich Geschichten: maßlos übertrieben und von zweifelhaftem Wahrheitsgehalt.

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Neben dem Schiemannsgarn fanden die neugewonnen Garne aber auch Verwendung im Kunsthandwerk: vielfach wurden kunstvoll gebundene Knoten hergestellt, die in unterschiedlich edler Form zusammengestellt und in einfachen Dioramen präsentiert werden konnten. Diese Knotentafeln gibt es bis heute - und sind in jedem maritim-seemännischen Haushalt zu finden. Häufig werden die einzelnen Knoten auch beschrieben, zumindest mit deren Namen, und andere maritime Symbole, wie Anker oder Miniatur-Schiffsglocken geben einer Knotentafel den letzten Schliff. Historische Knotentafeln mit entsprechender nachgewiesener Provenienz erzielen bisweilen Höchstpreise bei einschlägigen Auktionen.

Was hat nun „Der Bootsmann“ mit dem Seemannsgarn zu tun?


Die Frage ist recht einfach beantwortet, und kommt in zwei Teilen:


Erstens bildet das Wort „Seemannsgarn“ den Titel einer Rubrik, in der wir allsonntäglich auf unserer Facebook-Seite verbalen nautisch-maritimen Nippes von uns geben, immer mit einem Lächeln im Gesicht, aber gerne dem wahren Kern treu.


Zweitens haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, „echtes“ Seemannsgarn zu spinnen. Wir kaufen Rohschafswolle von kleinen, ökologisch produzierenden landwirtschaftlichen Betrieben, die ihren Standort in Küstennähe oder auf einer Insel haben - fernab von Massenproduktion und Preisdumping. Diese Rohwolle lassen wir in traditionellen Handwerksbetrieben zu Schurwolle bzw. Strickwolle spinnen, und färben diese in den klassischen nautisch-maritimen Farbtönen. Dabei achten wir penibel darauf, dass jederzeit Herkunft und Produzent der Rohwolle nachverfolgbar bleiben, und etikettieren die fertige Strickwolle dementsprechend.


Somit steht dem Spinnen von Seemannsgarn an langen, kalten Winterabenden (ob zuhause oder an Bord eines Schiffes) nichts mehr im Wege!

(Unsere Garne sind ab Herbst 2021 in unserem
Online-Shop erhältlich.)


Lese-Tipp


Paul Gerhard Heims: Kraken, Monster, Seemannsgarn: Legenden und Aberglauben auf hoher See. Festa Verlag, Borsdorf b. Leipzig  2006. (dzt. vergriffen)


Weblinks


Bootsmann Fischbrötchen maritim Geschenkidee nautisch
von Michael Moser-Rink 24. November 2020
Ausgehend von den Nord- und Ostseeküsten hat das Fischbrötchen längst seinen globalen Siegeszug angetreten, und ist selbst in den kulinarischen Bastionen der Weiß-, Curry- und Rostbratwurst oder der Leberkäs-Semmel anzutreffen, selbst in unmittelbarer Nachbarschaft eines Würstelstandes wird bisweilen herzhaft in ein gefülltes Brötchen des Nordens gebissen. Mein erstes Fischbrötchen durfte ich, quasi herkunftsgeschützt, in Husum genießen. Ein echter Klassiker, jedenfalls der Ort des Kaufes: das allseits bekannte Fischhaus Loof am Husumer Hafen (Maps) ist längst kein Geheimtipp mehr, und wird von Einheimischen wie Gästen gleichermaßen geschätzt. Leider kann ich mich nicht mehr an die Variante erinnern, die dem Brötchen eigen war. Fisch muss es gewesen sein. Oder zumindest irgendwas aus dem Meer.
Swinemünde Usedom Bootsmann Blog maritim Urlaub Spaziergang Tipps Sehenswürdigkeiten
von Michael Moser-Rink 24. November 2020
Swinemünde ist eine Hafenstadt, die man mögen wird – wenn man gewillt ist, ihre authentische ehrliche Wirkung zuzulassen, ihre historische Entwicklung mitbedenkt, und bereit ist, als defensiver - um nicht zu sagen devoter - Beobachter Teil des beschaulichen Treibens zu werden.
von Michael Moser-Rink 24. November 2020
Auf der Landkarte ist Usedom beim ersten Hinsehen gar nicht als Insel zu erkennen: lediglich das schmale blaue Band des Peenestroms auf dem Weg zu seiner Mündung in die Ostsee bei Peenemünde machen das 445 km² große Gebiet zum Eiland.
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