Usedom - die „Badewanne der Berliner“
Auf der Landkarte ist
Usedom beim ersten Hinsehen gar nicht als Insel zu erkennen: lediglich das schmale blaue Band des
Peenestroms auf dem Weg zu seiner Mündung in die
Ostsee bei Peenemünde machen das 445 km² große Gebiet zum Eiland.
Kleiner geschichtlicher Exkurs
Größter Beliebtheit erfreut sich die Insel als Ziel badehungriger Touristen bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert, als die ersten Gäste vorrangig aus dem nahen Berlin an die weißen
Ostsee-Strände pilgerten.
Der Nähe zu Berlin hat Usedom auch seinen Beinamen zu verdanken, und so hört man auch heute noch Kenner der Urlaubsregion (Anm.: ausnahmslos Gäste) über die
„Badewanne der Berliner“ fachsimpeln. Die Einheimischen halten von derlei beiläufiger Spielerein wenig, die Themen sind um einiges pragmatischer, um nicht zu sagen existentieller: die Insel lebt fast ausschließlich vom
Tourismus, und musste sich den heutigen Status regelrecht erkämpfen – oder hart erarbeiten passt vielleicht besser.
Tourismus heute und unsere Lieblings-Ziele
Strandpromenade vor Zinnowitz
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Koserower Salzhütte mit Fischräucherei
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Bisweilen hat sich die Insel mit ihren Bewohnern ganz gut zurecht gefunden – Hotels und Beherbergungsbetriebe sind auf modernstem Stand herausgeputzt, zahlreiche
Ferienwohnungen säumen auch noch so kleine Seitenstraßen, und wem
Meer, Strand und Sonne nicht reichen, für den haben die Touristiker zahlreiche Betätigungsmöglichkeiten eingerichtet, sodass keine Ausrede geltend gemacht werden kann, die Langeweile würde einen plagen. Da gibt es Karl´s ErlebnisHof, eine Schmetterlingsfarm, eine Dinosaurier-Ausstellung, eine Schwarzlicht-Minigolf-Anlage (Phänomena bei Peenemünde) und dergleichen mehr.
Unweit vom Café Knatter, versteckt hinter dem kleinen Dorf Loddin, befindet sich Kiki´s Bootsverleih
(Maps)
– traditionelle Küche, gut gekühltes Bier, authentische Betreiber: und ein
Sonnenuntergang, bei dem selbst Menschen, denen der Begriff „Romantik“ ein Fremdwort ist, zum Dahinschmelzen neigen.
Rankwitz liegt direkt am Peenestrom, doch bevor man diesen erreicht, passiert man eines unserer Lieblingsdörfer auf Usedom:
Morgenitz
(Maps). Unscheinbar eingebettet in die leicht hügelige Landschaft, umgeben von Feldern und Wäldern, begeistert dieser Ort mit Charme, den wir sonst in der Form nirgends auf der Insel finden konnten. Besonders lohnend finden wir einen Besuch bei Astrid Dannegger
(Maps)
in ihrer
Keramikwerkstatt, wo auch alljährlich im Juli ein weitum bekannter Töpfermarkt abgehalten wird. (Anm.: 24 - 25. Juli 2021).
Historisch maritim wird es im Nordostern der Insel: in
Peenemünde
(Maps)
befinden sich gleich mehrere Highlights, die das Herz höherschlagen lassen. Zur Zeit der Weltkriege waren große Teile der Gegend militärisches Sperrgebiet, und einiges erinnert auch heute noch an die verschiedenen Schreckensherrschaften: so wurde im
Historisch-Technischen Museum ein Raketenforschungszentrum betrieben, und etwas dahinter befand sich ein Militärflughafen, der heute von Sportflugzeugen bedient wird. Im beschaulich-quirligen Hafen selbst liegen zwei
Museums-Schiffe, das ehemalige sowjetische U-Boot U-461 und das deutsche Marineschiff Hans Beimler. In unmittelbarer Nähe zu zweiterem findet man ein in einer ehemaligen Lagerbaracke liebevoll eingerichtetes
nautisches Museum inklusive gut sortiertem Antik-, Bücher- und Souvenirladen. An der Mole ist ein rustikales Restaurantschiff festgemacht, dass auch die ostalgischen Besucher des spartanischen Campingplatzes bedient.
Der Erkundung der größten Stadt Usedoms,
Swinemünde, widmen wir einen eigenen Beitrag, ebenso dem Lotsenhotel und der Hubbrücke bei Karnin.
Fazit
Usedom ist nicht zuletzt wegen der
Nähe zu Berlin und damit unser kürzester Weg ans Meer, mehrmals im Jahr unser Ziel, wenn uns die Sehnsucht packt. Für ein erstes Kennenlernen der Insel würden wir einen Aufenthalt von einer Woche empfehlen – hat einen die
Inselliebe einmal erfasst, richtet sich der Besuch ohnehin nach Lust, Laune und Verfügbarkeit!
Steckbrief
- 66 km lang und 24 km breit macht eine Fläche von 445 km², davon ein kleiner Teil in Polen
- zweitgrößte Insel und zweitbeliebteste
Urlaubsinsel
Deutschlands
- 76.500 Einwohner (davon mehr als die Hälfte im polnischen Hauptort Swinemünde)
- liegt in der Pommerschen Bucht in der Ostsee, von
Peenestrom
und
Stettiner Haff
zur Insel gemacht
- Schlagwörter: Kaiserbäder, Seebrücke, Achterwasser, Berliner Badewanne.
- Unsere Highlights: Museum Atelier Niemeyer-Holstein (Lüttenort), Hafen Peenemünde, Café Knatter (Ükeritz), Hubbrücke und Hotel Lotsenturm (Karnin), Wasserschloss Mellenthin, Swinemünde.
Lese-Tipps
- Richter, Hans-Werner:
Reisen durch meine Zeit. Lebensgeschichten. Hanser, München 1989.
- Richter, Hans-Werner:
Deutschland deine Pommern – Wahrheiten, Lügen und schlitzohriges Gerede. Hinstorff, Rostock 2008.
- Becht, Sabine:
Usedom Reiseführer.
Michael Müller Verlag, Erlangen 2020.
- Sorges, Jürgen:
MERIAN momente: Reiseführer Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommern. Merian, Hamburg 2015.
- Stamm, Jochen u.a.:
Usedom: Die Entdeckung der Insel. Bildband, Edition Braus, Berlin 2020.
- Hoffmann, Katrin u.a.:
Usedom-Kochbuch: Rezepte & Geschichten zwischen Wolgast & Swinemünde. Strandläufer Verlag, Stralsund 2012.
Weblinks